Expressiver Baukörper

Kleihues + Kleihues
2. dezembro 2020
Blick über den Mittelhafen (Visualisierung: Kleihues + Kleihues)

Kleihues + Kleihues gewinnen den Wettbewerb um den Neubau eines Bürogebäudes am Mittelhafen in Münster. Jan Kleihues stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

Unweit der Altstadt und des Hauptbahnhofs soll in Münster auf dem Grundstück Am Mittelhafen 36-40 ein Büro- und Dienstleistungsgebäudes realisiert werden. Welche Ausgangssituation haben Sie vorgefunden?

Das Hafenareal in Münster ist ein wichtiges städtebauliches Entwicklungsgebiet und einer der attraktivsten Anziehungspunkte der Stadt. Am sogenannten Kreativkai bündelt sich das innovative Ökosystem, hier sind junge Start-ups ansässig, hier entstehen in kreativem Umfeld neue Ideen, moderne architektonische Solitäre bilden ein lebendiges Ensemble. Das Quartier ist somit der perfekte Standort für ein Gebäude, in dem bis zu 400 Arbeitsplätze entstehen und in dem die digitalen Geschäftseinheiten des FIEGE Logistikunternehmens und weitere externe Start-ups gebündelt werden sollen. 70 Prozent der Fläche will Fiege selbst nutzen, 30 Prozent sollen an Partnerfirmen vermietet werden.

Lageplan (Zeichnung: Kleihues + Kleihues)
Wie organisieren Sie die Gebäude?

Bei der Organisation des Gebäudes war uns wichtig, dass Fiege und das Partnerunternehmen gleichberechtigt an der Hafensituation teilhaben können. Nicht nur in der Gebäudeform, sondern auch im Erschließungskern findet sich dieser Leitgedanke wieder und ermöglicht eine Vielzahl von Verknüpfungen verschiedener Raumeinheiten. Die Anordnung der Aufzüge und Eingänge zwischen den Gebäudeflügeln ermöglicht eine äußerst flexible Zusammenlegung und damit auch eine mögliche Drittverwertung als Multitenant-Office. Damit kann das Gebäude, ohne Veränderung der Erschließungsstruktur, an veränderte Teamgrößen und zukünftige Nutzungen angepasst werden. Der Kreuzungspunkt der beiden Flügel beherbergt in jedem Geschoss eine attraktive Lobby, von der man nicht nur einen großartigen Ausblick auf den Hafen, sondern auch Raum hat, um sich zu besprechen. Von jeder dieser Lobbies gehen wechselseitig angebrachte Balkone ab, die sich mal zur Eingangsseite, mal zum Hafen hin orientieren. Das Dach im 6. Obergeschoss wird unter anderem über eine skulpturale Treppe erreicht. Der dem Hafen zugewandte Teil des Gebäudes bietet mit seiner Dachterrasse einen fantastischen Rundumblick über die gesamte Umgebung.

Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: Kleihues + Kleihues)
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?

Der Ursprung der Verknüpfung von Handelswegen, die Kreuzung, ist Leitgedanke des neuen Logistikzentrums. Nicht nur in der Gebäudeform – die beiden spiegelsymmetrisch zueinander gestellten, angewinkelten Flügel – findet sich dieser Gedanke wieder. Konkret bedeutet es vor allem, dass der expressive Baukörper eine räumliche Verknüpfung mit seiner direkten Umgebung schafft, auf dem Baugrundstück zwei Bereiche mit unterschiedlichen städtischen Räumen erzeugt und mit seinen Gebäudeflügeln die Besucher und Nutzer des Hauses mit einladender Geste empfängt. Der straßenseitige Vorplatz bildet mit dem Grundstück des Nachbargebäudes einen Campus – sie liegen gemeinsam auf einem Plateau. Betritt man den leicht ansteigenden Campus von der Straße aus, wird der Blick durch die großzügig verglaste Lobby auf das Hafenbecken mit dem gegenüberliegenden Ufer geleitet. Der hafenseitige Platz, auf dem sich die von der Caféteria bewirtschaftete Terrasse befindet, liegt oberhalb des Uferwegs und ist über eine breite Sitztreppe zu erreichen. Das Fassadenmaterial, ein roter Klinker, sorgt dafür, dass das Haus ein selbstverständlicher Baustein des Ensembles ist – mit eigener Identität.

Blick über den Eingang (Visualisierung: Kleihues + Kleihues)
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?

Es gibt den sehr ambitionierten Fertigstellungstermin 2023.

Neubau eines Bürogebäudes am Mittelhafen in Münster
Nichtoffener Wettbewerb
 
Auslober/Bauherr: FIEGE Logistik Stiftung & Co. KG, Greven 
Betreuer: WoltersPartner Stadtplaner GmbH, Coesfeld
 
Jury
Heiner Farwick, Vors. | Heinrich Böll | Uwe Landheer | Robin Denstorff | Hilde Léon
 
1. Preis
Architekt: Kleihues + Kleihues Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin, Dülmen-Rorup 
 
2. Preis
Architekt: Max Dudler, Berlin, Frankfurt/Main, München, Zürich (CH)
 
3. Preis
Architekt: gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner, Hamburg, Aachen, Berlin, Hamburg

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