Genossenschaftliches Wohnen in Düsseldorf

Stefan Forster Architekten
25. novembro 2020
Blick von Norden über den Klinkeplatz und die Unterrather Straße (Foto: Lisa Farkas)

Für die traditionsreiche Genossenschaft Düsseldorf-Ost realisierten Stefan Forster Architekten einen Neubau im Stadtteil Unterrath. Stefan Forster beantwortet unsere Fragen zum Projekt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Die Wohnungsgenossenschaft Düsseldorf-Ost zählt zu den traditionsreichsten und größten Genossenschaften in Düsseldorf. 2012 entschloss sie sich zum Abbruch ihres Wohnhauses aus den 1920er-Jahren in der Unterrather Straße, das mit seiner dunkelroten Klinkerfassade längst Teil der lokalen Identität geworden war. Im gewachsenen Stadtteil Unterrath, im Norden von Düsseldorf gelegen, sollte der Neubau deshalb nicht nur städtebaulich sensibel integriert werden, sondern auch die spezifischen Qualitäten des Altbaus aufnehmen und fortschreiben. Anstelle der einfachen, immer gleich geschnittenen Kleinstwohnungen sollten modern ausgestattete Ein- bis Fünfzimmerwohnungen mit Loggien und Terrassen für unterschiedliche Nutzergruppen entstehen. 

Westseite an der Unterrather Straße (Foto: Lisa Farkas)
Plastische Fassadenausbildung mit Erkern und Terrassen an der Unterrather Straße (Foto: Lisa Farkas)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Der Entwurf orientiert sich in Form und Materialität am Vorgängergebäude und fügt sich wie ein Puzzlestück in die städtebauliche Situation ein: Die architektonische Gestalt des geschwungenen Riegelbaus wurde beibehalten und nach Süden um zwei rückwärtige Flügel ergänzt. Entlang der Unterrather Straße begleitet er den Straßenraum, der sich nach Westen aufweitet und mit dem Klinkeplatz einen kleinen Quartiersplatz bildet, von dem sich auch die alternative Bezeichnung »Klinkebogen« für das Wohnhaus ableitet. Die lang gestreckte, konvexe Biegung des Mittelteils spannt sich zwischen den niedrigeren Kopfseiten auf, die sich an der Höhe der Nachbarhäuser orientieren und mit Treppengiebeln verziert den Übergang von der städtisch-dichten Unterrather Straße in die Seitenstraßen akzentuieren. Fortgesetzt wird die skulpturale Qualität des Baukörpers in Details wie den versetzten Klinkerlagen, der Grenadierschicht über den Fenstern und den durchlaufenden Gesimsen. Durch die U-förmige Anordnung des Ensembles entsteht ein geschützter und großzügig begrünter Innenhof.

Fassadendetails an der Unterrather Straße (Foto: Lisa Farkas)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Von Anfang an hat der Bauherr hohe Qualitätsanforderungen sowohl an die Gebäudehülle und die städtebauliche Einbindung wie auch an die Wohnungen selbst formuliert. So sollte die Fassade bewusst Qualitäten des Vorgängerbaus aufnehmen – vom Entwurf bis zum Detail haben wir die Architektur eng mit dem Bauherrn abgestimmt. Als langfristig orientierte Genossenschaft hatte die Zufriedenheit der Bewohnerinnen und Bewohner und die nachhaltige Bauausführung Priorität. Das Motto lautete „Wir bauen für hundert Jahre“. Diese Haltung findet sich in der hochwertigen Innenausstattung mit unterschiedlichen Ausbauvarianten und der durchgehenden Massivbauweise bis hin zu Details wie den Blumenkästen (statt Trennwänden) auf den Terrassen.

Der Neubau führt ortstypische Motive wie den Treppengiebel fort, die den Eingang in die Nebenstraßen markieren: Blick nach Süden in die Hoferhofstraße im Juli 2019 (Foto: Lisa Farkas)
Blick auf die Ecke Hoferhofstraße / Unterrather Straße im September 2009 (Foto: Stefan Forster Architekten)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Der ursprüngliche Entwurf wurde als so robust angesehen, dass er prinzipiell beibehalten wurde – das heutige Gebäude unterscheidet sich davon tatsächlich nur minimal: So waren die beiden rückwärtigen Seitenflügel im Entwurf ähnlich lang, der östliche musste aber später gekürzt werden, um den vorgeschriebenen Abstand zum südlich angrenzenden Friedhof einzuhalten. Diese Maßnahme wurde durch einen größer dimensionierten östlichen Flügel wieder ausgeglichen.

Farblich akzentuierte Eingangsbereiche der Häuser Unterrather Straße 35 (gelb) und 27 (fliederfarben) (Foto: Lisa Farkas)
Farblich akzentuierte Eingangsbereiche der Häuser Unterrather Straße 35 (gelb) und 27 (fliederfarben) (Foto: Lisa Farkas)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Wir haben uns bewusst für eine zeitlose Formensprache und Architektur entschieden, bei der man das Gebäude nicht eindeutig in der Baugeschichte verorten kann. Es soll Vertrautheit ausstrahlen und so wirken, als wäre es schon immer dagewesen. Auf Gestaltungselemente wie verspringende Fensterreihen, die unserer Gegenwartsarchitektur schon seit längerem prägen, haben wir bewusst verzichtet. 

Luftaufnahme von Düsseldorf-Unterrath mit Blick von Nordosten auf die Straßenseite des Vorgängergebäudes (Foto: Stadt Düsseldorf)
Luftaufnahme von Düsseldorf-Unterrath mit Blick von Südwesten auf die Gartenseite des Vorgängergebäudes (Foto: Stadt Düsseldorf)
Klinkebogen – Unterrather Straße
2019
Unterrather Straße 27–41
40648 Düsseldorf

Nutzung
Wohnbau
 
Auftragsart
Wettbewerb, 1. Preis
 
Bauherrschaft
Wohnungsgenossenschaft Düsseldorf-Ost eG
 
Architektur
Stefan Forster Architekten, Frankfurt am Main
Projektleitung: Ute Streit 
Mitarbeit: Frank Baum, Janos Lalik, Sandra Söhnel
 
Fachplaner
Tragwerksplanung: Friedrich & Lucas GmbH, Düsseldorf
Haustechnikplanung: Huber Ingenieur-Technik GmbH, Düsseldorf
Landschaftsplanung: Verhas Architektur u. Landschaft, Düsseldorf

Bauleitung
HGMB Architekten GmbH + Co. KG, Düsseldorf
 
Ausführende Firmen
Zimmermann: Werner Strauß Zimmerei GmbH, Dortmund
Mauerwerk: Janhsen Bau, Herford 
 
Hersteller
Klinker: Janinhoff Klinkermanufaktur, Münster-Hiltrup 
Duschrinnen: Dallmer, Arnsberg
 
Energiestandard 
KfW 70
 
Bruttogeschossfläche
11.030 m²
 
Rauminhalt
37.180 m³
 
Gesamtkosten
11.300.00 € Netto

Fotos
Lisa Farkas

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