Schweiz: Wakkerpreis 2021

Manuel Pestalozzi
13. gennaio 2021
Obwohl der Siedlungsdruck enorm ist, bleibt der Ortskern von Prangins weiter intakt, auch die Grünräume, die ihn umgeben, sind noch immer erlebbar. (Foto: Pierre Marmy / Schweizer Heimatschutz)

Das schöne Dorf mit dem Schloss über dem Genfersee erhält dieses Jahr den renommierten Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes. Verdient hat es sich die Auszeichnung nicht zuletzt durch die Selbstbehauptung inmitten eines Speckgürtels mit hohem Siedlungsdruck. Gelungene Siedlungsentwicklung bedeutet eben weit mehr als die Erfüllung von Mengenvorgaben.

Prangins im Kanton Waadt ist vielleicht nicht gerade das sprichwörtliche Gallierdorf, welches dank Zaubertrank die es umzingelnden Römer das Fürchten lehrt. Doch die Gemeinde hat in der prosperierenden Großagglomeration Lausanne-Genf durch gezielte Maßnahmen dafür gesorgt, dass ihr Charakter eines Bauerndorfes stets bewahrt blieb. Sie gehört zur Region La Côte, verfügt jedoch kaum über Weinberge, sondern über fruchtbares Ackerland. Auch bietet sie feine, bestens erschlossene Wohnlagen; seit den 1960er-Jahren hat sich die Bevölkerungszahl verdreifacht. Und bis 2040 soll die Wohnbevölkerung um weitere dreißig Prozent oder mehr ansteigen. Das Siedlungsgebiet von Prangins ist inzwischen mit jenem der westlich angrenzenden Kleinstadt Nyon lückenlos zusammengewachsen. Bei der Durchfahrt mit der Eisenbahn ist auch erkennbar, dass Prangins sogar über ein Flugfeld verfügt, auf dem kleine Maschinen starten und landen können.

Die Sichtachse vom Schloss Prangins auf den Genfersee konnte dank planerischer Maßnahmen erhalten werden. Sie ist Teil eines grünen Korridors, der sich durch die ganze Gemeinde zieht. (Foto: Christian Beutler / Schweizer Heimatschutz)

Mit dem Wakkerpreis zeichnet der Schweizer Heimatschutz Gemeinden aus, die hinsichtlich ihrer Ortsbild- und Siedlungsentwicklung besondere Leistungen vollbracht haben. Prangins hat sich die Ehrung verdient, weil sich die Gemeinde entschieden hat, ihre Siedlungsentwicklung auf historisch gewachsenen Werten aufzubauen, diese zu stärken und weiterzuentwickeln. Ziel ist es, das weiterhin erwartete Bevölkerungswachstum mit einer ungebrochen hohen Siedlungsqualität zu verbinden. Dabei verfolgt die Gemeinde eine aktive Investitionspolitik.

Der ehemalige Burggraben nordöstlich der Schlossanlage wurde 2009 in einen Landschaftspark verwandelt (Landschaftsarchitektur: Denogent). Er verbindet die Wohnzonen mit dem See. (Foto: Christian Beutler / Schweizer Heimatschutz)
Progressiv konservativ

Die erwähnten historisch gewachsenen Werte sind über die Gemeinde hinaus von Bedeutung: Sie sind im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) erfasst. Als besonders wertvoll gilt nicht nur die Schlossanlage aus dem frühen 18. Jahrhundert – heute der Westschweizer Sitz des Schweizerischen Nationalmuseums –, sondern ebenso der direkt nordwestlich anschließende historische Ortskern, zusammen mit den benachbarten Freiräumen. Auf diesem Vermächtnis ruht die Entwicklungspolitik der Gemeinde. Sie war bereit, zugunsten des Erhalts ihres wertvollen Ortsbildes, der Kulturlandschaften und der Parkanlagen auf bebaubares Kulturland zu verzichten. Außerdem stärkte sie die ortsspezifische Identität durch eine sorgfältige Pflege und Weiterentwicklung vorhandener räumlicher Qualitäten. Vielfältige Angebote sowie Investitionen in öffentliche Freiräume aktivieren und beleben den Dorfkern als Zentrum des Gemeindelebens. Im Gemeindehaus – dem ehemaligen Gutshof des Schlosses – sind unter einem Dach die Verwaltung, der Polizeiposten, ein kleines Lebensmittelgeschäft und eine Krippe untergebracht.

Die Maison de Commune war einst der zum Schloss gehörende Gutsbetrieb. (Foto: Pierre Marmy / Schweizer Heimatschutz)

Lobenswert findet der Heimatschutz außerdem die „klaren Strategien und Haltungen auf Gemeindeebene“. Sie ermöglichten eine qualitative und ortsspezifische Entwicklung. Das breit abgestützte Vorgehen erlaube es, den von aussen auferlegten Wachstumsvorgaben proaktiv zu begegnen. Der kontinuierliche Beizug von externen Fachleuten aus Theorie und Praxis wirke unterstützend und helfe, mögliche Maßnahmen zu analysieren und zu präzisieren. Auch durch öffentliche Wettbewerbsverfahren investiere Prangins in eine qualitätsvolle Zukunft. 

In einem Wettbewerbsverfahren entstand das Projekt zur Revitalisierung einer denkmalgeschützten Häuserzeile mit 16 genossenschaftlichen Wohnungen. (Projekt 2008: Bakker & Blanc architectes, Ausführung 2015: O. Rochat Architectes). (Foto: Pierre Marmy / Schweizer Heimatschutz)
Prangins, die nächste Sommerdestination! Südlich des Schlosses befindet sich ein Park, der sowohl die historische Anlage in Wert setzt als auch als regionaler Treffpunkt genutzt wird. Die Landschaftsarchitektur stammt vom welschen Büro Paysagestion. (Foto Klaus Holzhausen / Schweizer Heimatschutz)

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