Landschaftliche Überformung

huber staudt architekten
15. Juli 2020
Blick auf das Sportforum (Visualisierung: hsa)

huber staudt architekten mit gm013 landschaftsarchitektur gewinnen den Wettbewerb um die Entwicklung des Sportforums Am Schlaatz für Schul- und Freizeitsport in Potsdam. Joachim Staudt stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

Die Landeshauptstadt Potsdam will mit dem Kommunalen Immobilien Service (KIS) im Stadtteil Am Schlaatz ein Sportforumsgebäude für Schul- und Freizeitsport neu errichten und die Außensportflächen neu gestalten. Worin lag die Herausforderung der Aufgabenstellung?

Die Potsdamer Großsiedlung „Am Schlaatz“ mit rund 10.000 Bewohnern ist ein sozialer Brennpunkt in Potsdam. Die Idee den Problemen des Stadtteils mit einem neuen Sportforum zu begegnen, hat uns sehr begeistert. Sport kann dabei helfen, gerade junge Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenzubringen. Zum Ideenteil des Wettbewerbs gehört auch die Neuordnung des zentralen Grünbereichs der Großsiedlung mit dem großen Ziel, den Lauf der Nuthe zu renaturieren und in ihr ursprüngliches Flussbett zurückzuführen. Weiterhin soll ein „Integrationsgarten“ weiterentwickelt werden. Hier arbeiten Anwohner unterschiedlicher kultureller und geografischer Herkunft gemeinsam im Garten. An diesem Ort geht es also darum, das integrative Potential des Sports und der Gartenarbeit zu bündeln, um die Stadt weiter zu entwickeln. Ähnliche Strategien der Stadtentwicklung mit sozialen Bauprojekten beschäftigen uns bei einem Schulbau unweit der Gropiusstadt in Berlin-Neukölln und bei einem sozialen Zentrum in unmittelbarer Nähe des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg. 

Situation (Zeichnung: hsa)
Wie organisieren Sie das Sportforum?

Insgesamt sechs unterschiedlich große Sporthallen liegen nebeneinander angeordnet unterhalb der flachen Dachebene. Die abgesenkten Doppelsporthallen dienen dem allgemeinen Schulsport sowie neben den üblichen Ballsportarten auch Fecht- und Rollhockeyvereinen. In den erdgeschossigen Hallen widmen sich sehr engagierte Vereine den Sportarten Bouldern, Gewichtheben, Judo und Ringen, zum Teil auf Bundesliganiveau. 

Vom Haupteingang kommend, öffnet sich ein lichtes Foyer, welches Einblicke in die Sporthallen bietet und von einem kleinen Innenhof zusätzliches natürliches Licht erhält. Alle 6 Einzelhallen sind unmittelbar vom Foyer aus erreichbar. Lediglich die Sportflächen der beiden Doppelsporthallen liegen unterhalb der Eingangsebene. Ein zweiter, zu den beiden öffentlichen Schulen gewandter Eingang ermöglicht es den Schülern, unmittelbar vom geschützten Schulgelände aus den Bereich der Zweifachhallen zu betreten. Die Umkleiden sowie die Tribünen befinden sich auf der Eingangsebene des neuen Sportforums, die Geräteräume für die vielfältigen Sportarten in der Hallenebene. Die Umkleiden und Nebenräume der weiteren Sportarten sind wie Kerne in die jeweiligen Hallen eingestellt. 

Viel natürliches Licht dringt über die seitlichen großzügigen Verglasungen in die Sportbereiche ein. Das schafft eine lichte und freundliche Atmosphäre im neuen Sportforum.

Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: hsa)
Ansicht Ost und Querschnitt (Zeichnung: hsa)
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?

Gebäude einzugraben, sie dann landschaftlich zu überformen und somit „verschwinden“ zu lassen, fasziniert uns schon lange. Mit einer ähnlichen Strategie haben wir bereits das MRT Labor als Teil einer Parkanlage in der Physikalisch Technischen Bundesanstalt, PTB in Berlin realisiert. 

Das vielfältig bespielbare grüne Dach des neuen Sportforums fördert die Integration des großen Bauvolumens in den zentralen Park der Wohnsiedlung. Von der Flussaue kommend, führt eine als begrünter Stufenhang ausgeführte Treppe auf das begrünte Dach. Der Dachgarten ist also für alle Bewohner offen zugänglich. Das neue Sportforum erhebt sich etwa 5,0 m über die umliegende Flusslandschaft und wird als Teil der Topographie des Parks wahrgenommen. Das für alle unabhängig vom Innenraum begehbare Dach bildet einen neuen starken öffentlichen Ort im Park.

Lageplan mit Ideenteil (Zeichnung: hsa)
Welche Materialstrategie schlagen Sie vor?

Die schwebende Attika aus Betonfertigteilen über großformatigen Glaselementen bestimmt das Erscheinungsbild der einfachen Fassade. Der Verlauf der Dachlinie markiert die Einschnitte für Eingänge und den Zugang zum Dach, erzeugt Abwechslung und lockert die Regelhaftigkeit.

Im Innenbereich schaffen feine Materialabstufungen Orientierung und Atmosphäre in den einzelnen Sportbereichen. Die Prallwände und die eingestellten Sanitär-/Lagerkuben erhalten eine Verkleidung mit Holzwerkstoffpaneelen, die damit im attraktiven Kontrast zur sichtigen Qualität der Betonkonstruktion stehen. Einzelne Farbakzente erleichtern die Orientierung für Sportler und Fans. 

Detail (Zeichnung: hsa)
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?

Jetzt müssen wir leider erst einmal das obligatorische VGV-Verfahren überstehen und beauftragt werden. Nach Auskunft des Bauherrn, der Kommunaler Immobilien Service (KIS), Potsdam soll dann zügig geplant werden. Da unser Vorschlag in nur einem Bauabschnitt realisiert werden kann, hoffen wir, das Gebäude bereits im Frühjahr 2024 an die Nutzer übergeben zu können. 

Modell (Foto: hsa)
Entwicklung des Sportforums Am Schlaatz für Schul- und Freizeitsport in Potsdam
Nichtoffener Realisierungswettbewerb

Auslober/Bauherr: Kommunaler Immobilien Service (KIS), Potsdam
Betreuer: Gruppe Planwerk, Berlin

Jury
Dr. Anke Schettler, Vors. | Marcel Adam | Sebastian Gaa | Prof. Minka Kersten | Axel Lohrer | Alfred Nieuwenhuizen

1. Preis
Architekt: huber staudt architekten bda, Berlin
Landschaftsarchitekt: gm013 landschaftsarchitektur, Berlin
 
ein 3. Preis
Bauconsult Architekten Ingenieure, Haßfurt, Stuttgart, Frankfurt a. Main , Pegnitz, Teltow, Würzburg, Taunusstein-Neuhof, Bad Windsheim, Bremen
 
ein 3. Preis
Architekt: CKRS Architekten, Berlin, Berlin
Landschaftsarchitekt: Henningsen Landschaftsarchitekten PartG mbB, Berlin
Tragwerksplaner: ifb frohloff staffa kühl ecker, Berlin

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