Kompakt und zweigeteilt

Mäckler Architekten
18. Dezember 2019
Blick vom Garten (Visualisierung: Mäckler Architekten)

Mäckler Architekten gewinnen den Wettbewerb um den Erweiterungsbau für das Architekturmuseum Schwaben in Augsburg. Ellen Denk stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

In Augsburg soll das Architekturmuseum Schwaben der Arno-Buchegger-Stiftung durch einen Neubau erweitert werden. Welche Ausgangs-Situation haben Sie vorgefunden?

Zum Ende des Jahres schließt das Architekturmuseum für circa zwei Jahre. 

Das Architekturmuseum, das in der denkmalgeschützten Buchegger-Villa ansässig ist, wird von der Arno-Buchegger-Stiftung verwaltet, als Zweigstelle der TU München. In Zukunft will die Buchegger-Stiftung eigene Wege gehen und plant die Einrichtung eines Zentrums für Architektur und die Erweiterung des Bestands.

Das Architekturmuseum befindet sich im Thelottviertel, im ehemaligen Wohnhaus des Architekten Arno Buchegger. Die Villa ist von dessen Vater Sebastian Buchegger gemeinsam mit Heinrich Sturzenegger in den Jahren 1906/07 in der neuen Augsburger Kolonie am Rosenauberg als Prototyp eines vornehmen Wohnhauses im Landhausstil geplant worden. Die heutige Nutzung als Museum macht einen Anbau notwendig, denn das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde nie als Museum konzipiert, es gibt dort keine zusammenhängende Ausstellungsfläche. Bisher dienten die ehemaligen Wohnräume im Erdgeschoss als Schaufläche, im Obergeschoss saß die Verwaltung, das Untergeschoss war für Lager und Technik vorgesehen. Im künftigen Erweiterungsbau werden Wechselausstellungen zu überregionalen Themen stattfinden, im Altbau wird eine Dauerausstellung eingerichtet, die sich auf die Stadt- und Architekturentwicklung von Augsburg konzentriert. 

Hinter der Villa befindet sich zudem ein großzügiger nach Süden orientierter Garten, dessen Topographie nach Süden abfällt. Topographie und Außenbereich bieten Chancen für eine vertikale Raumentwicklung und den Außenbezug des Museums.

Historische Straßenfassade Haus Buchegger in Augsburg  (Quelle: Reformarchitektur in Augsburg)
Wie kamen Sie zum vorgeschlagenen Baukörper?

Gemeinsam mit der Unteren Denkmalschutzbehörde wurde direkt an der Villa auf der Gartenseite ein L-förmiges Baufeld als möglicher Baubereich ausgewiesen.

Unser Entwurfskonzept sieht einen kompakten hohen Baukörper neben der Buchegger-Villa vor, der den Blick auf die Villa von der Gartenseite aus nicht verstellt. Der an der Straßenseite zurückgesetzte Anbau nimmt die Materialität und Farbigkeit der Buchegger-Villa auf und behauptet sich gleichzeitig als eigenständiges und markantes Gebäude. Durch seine auffallende, mehrteilige Dachform wirkt der Baukörper skulptural. Sie zeigt sich straßenseitig mit einem steilen Giebel und rückwärtig mit einem ebenso spitz zulaufenden Doppelgiebel. Der neue große Ausstellungsraum für die geplanten Wechselausstellungen wird in das Untergeschoss verlegt, das auf der Gartenseite parallel zur Villa verläuft. Das Dach dieses Geschosses dient hier als Terrasse mit Blick auf den Garten.

Außenanlagen, Ansicht, Lageplan (Zeichnungen: Mäckler Architekten)
Wie organisieren Sie das Museum?

Fortan soll in der denkmalgeschützen Villa eine Dauerausstellung zu Sebastian Buchegger und dem Thelottviertel untergebracht werden, die Sonderausstellungsfläche, samt Eingangsbereich, Seminarraum und Aufenthaltsbereich mit Bewirtungsmöglichkeit befindet sich in dem Erweiterungsneubau.

Grundrisse (Zeichnungen: Mäckler Architekten)
Schnitte, Ansichten (Zeichnungen: Mäckler Architekten)
Können Sie uns durch das von der Arno Buchegger Stiftung angekündigte und neu geplante „Zentrum für Architektur“ führen, als ob es schon fertiggestellt wäre?

Zunächst erfährt der Besucher den Neubau als Eingangsgebäude. Er betritt das Museum nicht mehr über die Buchegger-Villa, sondern gelangt von der Thelottstraße im Nordwesten, vorbei an der bestehenden Baumgruppe, zum neuen Haupteingang. 

Im Inneren des Gebäudes lässt der 10 Meter hohe Eingangsraum mit Kasse und Museumsshop den Blick in die offenen Dachstühle zu. Der im hinteren Bereich gelegene Aufenthaltsraum bietet die Möglichkeit, die Besucher zu bewirten. Durch ein großzügiges Fenster an der Südseite eröffnet sich dem Besucher der Blick in den Museumsgarten und durch ein weiteres Fenster im Osten der Blick über die Terrasse. Das Fenster reicht als verbindendes Element bis ins darunter liegende Geschoss.

Die an der westlichen Außenwand platzierte Erschließung verbindet die vier Geschosse optisch erfahrbar miteinander und verleiht dem kompakten Gebäude somit im Inneren eine luftige Großzügigkeit.

Von der Eingangsebene gelangt der Besucher über eine offene Treppe bzw. den Aufzug entweder in den Seminarbereich im Obergeschoss, wo sich die außergewöhnliche Kombination der Dachstühle zeigt, oder in das tiefer gelegene Galeriegeschoss auf Gartenniveau, dem eine zentrale Verteilerfunktion zukommt. 

Der Besucher erblickt hier über den Luftraum bereits den Ausstellungsraum im Untergeschoss, den er über eine einläufige Treppe erreicht. Das große zweigeschossige Fenster lässt Tageslicht gezielt auf die Treppe bis hinab in den Ausstellungsraum fallen. Der neu geschaffene Ausstellungsraum bietet auf 150 Quadratmeter zusammenhängender Fläche Platz für Wechselausstellungen. Eine für Ausstellungsflächen optimale Belichtung wird über ein Oberlicht in Form einer großzügigen Folien-Lichtdecke gewährleistet und ergänzt durch individuell anpassbare Strahler. 

Wieder auf der Galerieebene zurückgekehrt, führt ein Glasgang zur Buchegger-Villa bzw. zur niveaugleichen Museumsterrasse und zum Garten. Der Eingriff an der Fassade des Bestandsgebäudes und die Beeinträchtigung ihrer Erscheinung werden minimal gehalten. Der Verbindungsgang trifft auf einen neu geschaffenen Ausstellungsbereich im Erker des Untergeschosses der Villa. Über die zentrale Treppenanlage der Villa werden die Ausstellungsräume im Erdgeschoss erschlossen, die die geplante Dauerausstellung über Sebastian Buchegger und die Thelottsiedlung beherbergen.

Innenraum (Visualisierung: Mäckler Architekten)
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?

Der Entwurf sieht einen kompakten, zweigeteilten Baukörper vor, der sich westlich des Bestandsgebäudes exakt im vorgegebenen Baufeld befindet. Im südlichen Bereich des Baufelds wird bewusst auf eine Bebauung zugunsten einem freien Blick auf das Haus der Familie Buchegger verzichtet. Vorgelagert innerhalb des Baufensters befindet sich lediglich eine Terrasse, die für eine Außenbestuhlung benutzt werden kann. Die Terrasse hebt sich mit 30-40 cm gegenüber der Gartenfläche ab und schafft somit eine klare Kante im Übergang zum Garten. Straßenseitig präsentiert sich der Neubau als Giebelhaus mit reduzierter Fassade und zentrierter Eingangstür. Zum Garten zeigt sich das Gebäude mit zwei Giebeln und großen Öffnungen. Vor allem aufgrund der skulpturalen Dachform sticht das Gebäude aus der übrigen Bebauung im Thelottviertel hervor und zeigt so eindeutig die von der Wohnnutzung in der Umgebung differierende Nutzung als Museum an. Durch die auf den Altbau abgestimmten Farbigkeit und Fassadenmaterialität des Neubaus, entsteht trotz der konträren Architektursprache der beiden Gebäude ein stimmiges Ensemble aus Bestands- und Erweiterungsbau. 

In der äußeren Unterscheidung in zwei Teile spiegelt sich die Struktur im Inneren des Gebäudes wider: 

Der nördliche Gebäudeteil mit einfachem Satteldach weist eine Tiefe von 4,40 m auf und beinhaltet den Eingangsbereich und die Galeriebereiche. Im südlichen, breiten Gebäudeteil mit den Zwillingsdächern befinden sich Aufenthalts-, Seminar- und Ausstellungsbereiche. Dieser erstreckt sich mit gleicher Breite unterirdisch, im Süden des Bestandsgebäudes innerhalb des Baufeldes.

Die bestehenden Außenanlagen mit ihrem Baumbestand sind in ihrer Einfachheit zu erhalten und zu pflegen. Durch den sensiblen Eingriff eines Erweiterungsbaues entfällt lediglich ein Baum. Indessen ist als zusätzlicher

Gewinn ein neuer Haupteingang und eine Außenterrasse zum Verweilen geplant. Die große Freifläche im Süden als Blumenwiese kann durch einen regelmäßig gemähten Rasenrundweg für die Kunst erschlossen werden. Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen und Betrachten ein.

Welche Materialstrategie schlagen Sie vor?

Mit möglichst wenig Haustechnik und einer stabilen Ziegelbauweise soll das Gebäude langlebig und wartungsarm sein. Der Neubau ist im Untergeschoss als Stahlbeton- in den oberen Geschossen als Mauerwerksbau aus Porotonmauerwerk konzipiert. Die Fassade soll in rotem Kammputz, angepasst an die Farbigkeit des Bestandsgebäudes, ausgeführt werden. Zum Teil werden die Lochfenster durch Sandstein-Faschen betont. Der Entwurf sieht Stahlfenster vor, die als Lochfenster ausgeführt werden. Die monolithische Konstruktion sorgt für eine nachhaltige und wartungsarme Fassade, die keine Folgekosten nach sich zieht und wirtschaftlich im Unterhalt bleibt. Der rote Wesersandstein der Fensterfaschen findet sich in der Verkleidung des Sockels und als Belag der Terrasse wieder. Der Verbindungsgang zwischen Neubau und Bestandsgebäude wird so sensibel wie möglich, mit Hilfe einer filigranen Stahl-Glaskonstruktion gestaltet.

Detail (Zeichnung: Mäckler Architekten)
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?

Die Buchegger-Stiftung rechnet damit, dass die Bauarbeiten Ende 2020 beginnen können. Wenn alles nach Plan und ohne größere Verzögerungen laufen wird, soll das Gebäude 2022 eingeweiht werden.

Der reguläre Betrieb des Architekturmuseums endet vorerst im Dezember dieses Jahres. Dann läuft der Vertrag zwischen dem Architekturmuseum der TU München und der Buchegger-Stiftung aus. Die Stiftung sucht nun einen neuen Träger, der dann im Neubau und der Villa künftig das Architekturmuseum Augsburg-Schwaben betreiben wird. Vorstellbar wäre laut Buchegger-Stiftung, dass das Museum in einem Teilbetrieb bereits im Jahr 2021 oder aber erst mit der Fertigstellung des Neubaus.

Modell (Foto: Mäckler Architekten)
Erweiterungsbau für das Architekturmuseum Schwaben in Augsburg
Mehrfachbeauftragung
 
Auslober/Bauherr: Arno Buchegger Stiftung, Augsburg
Betreuer: Berz Architekten, Augsburg
 
Jury
Prof. Dr. Winfried Nerdinger, Vors. | Hans Engel | Prof. Marcus Rommel | Gregor Spielberger | Peter Sterz
 
1. Preis
Architekt: MÄCKLERARCHITEKTEN GmbH, Frankfurt am Main
Landschaftsarchitekt: AGS Garten Adelheid Schönborn, Muhr am See
TGA-Fachplaner: Ingenieurbüro Hausladen GmbH, Kirchheim bei München
 
ein 3. Preis
Architekt: SoHo Architektur, Memmingen
Architekt: MET Architects, Basel
 
ein 3. Preis
Architekt : studioeuropa, München

Vorgestelltes Projekt

Mecanoo

Eurojust (EU agency)

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