Umstrittener Wandel in Unterseen

Manuel Pestalozzi
23. September 2020
Der aktuell noch überbaute Fabrikkanal soll freigelegt werden. (Visualisierung: Lukas Murer)

Die Schweizer Gemeinde Unterseen (BE) vis-à-vis von Interlaken will das alte Ruag-Areal in ihrem Zentrum neu bebauen. Das Stimmvolk war dafür, die Gegner*innen aber legten Einsprache gegen die Änderung von Zonenplan und Baureglement ein.

Die Industrieanlage befindet sich im zentralen Ortsteil Stedtli. Wenige Schritte entfernt fließt die Aare. Das Areal wird von einem parallel zu ihr verlaufenden Fabrikkanal durchquert. Der Rüstungskonzern Ruag zog 2008 ab, 2015 fand ein Studienauftragsverfahren statt. Gewonnen hat es eine Arbeitsgemeinschaft aus Lars Mischkulnig und der Unarc GmbH. Das schön dargestellte Projekt sieht einen Baukörper mit fünf Stockwerken vor. Das Erdgeschoss soll Gewerbe und Ateliers Raum bieten, in den vier Obergeschossen sind Wohnungen geplant. Die alte Anlage soll abgerissen und der Fabrikanal dadurch vollständig offengelegt werden. So entstünde zusätzlicher Platz für öffentliche Freiräume zwischen Kanal und Aare. Vom südwestlichen Teil des Stedtli würde sich so ein Durchblick in Richtung Nordosten bieten.

Das Projekt fügt sich gut in das auch industriell geprägte Umfeld ein. (Visualisierung: Lukas Murer)

2016 sagte die Unterseener Gemeindeversammlung „Ja“ zur Neugestaltung des Geländes. Doch nun ist Sand im Getriebe: Einige Einwohner*innen haben Einsprache gegen geringfügige Veränderungen der 2016 abgesegneten Anpassung von Zonenplan und Baureglement erhoben, wie die Jungfrau Zeitung berichtet. Bemängelt werden „die definitiven Abstände und Maße des Neubaus“ und insbesondere dessen angeblich zu große Nähe zum Schloss Unterseen, einem historischen Bau, der weit weniger prächtig ist als der Name suggeriert und der lokalen Kirchgemeinde dient. Haarspaltereien? Aus der Ferne macht es den Anschein, zumal die Protestierenden auch die Stellungnahme der kantonalen Denkmalpflege zum Vorhaben anzweifeln und eine Intervention der eidgenössischen Denkmalpflege fordern. Der zuständige Gemeinderat Ernst Voegeli (SVP) äußerte sich gegenüber der Jungfrau Zeitung deutlich: Man werde der Einsprache nicht stattgeben. Beschwichtigend beteuerte er, dass beim Neubau mit viel Holz gearbeitet werde. „Dieses Projekt kann hinsichtlich des modernen Städtebaus in kleinen Altstädten wegweisend sein“, sagte er.

Das Projekt verspricht Wohnkomfort an zentraler, verkehrstechnisch gut erschlossener Lage. (Visualisierung: Lukas Murer)

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