Synergie zwischen Nachbarn nutzen

Manuel Pestalozzi
23. Februar 2021
Mit einem Vorplatz kann das Rathaus von Oberndorf seine repräsentative Funktion angemessen zur Wirkung bringen. Energetisch profitiert es von einer benachbarten Schule. (Foto © Hertha Hurnaus)

Im österreichischen Oberndorf durfte das Büro Megatabs zeitgleich zwei öffentliche Bauten nebeneinander realisieren. Die Architekt*innen nutzten die ungewöhnliche Konstellation für ein effizientes und umweltschonendes Energiekonzept.

In dichter Folge schrieb die Stadtgemeinde Oberndorf zwei geladene, anonyme, einstufige Realisierungswettbewerbe aus: im Oktober 2014 für ein Bundesoberstufenrealgymnasium (BORG) und im Juli 2015 dann für ein neues Rathaus. Die beiden Bauplätze sind nur knapp fünfzig Meter voneinander entfernt und liegen in unmittelbarer Nähe des rechten Salzachufers. Der Fluss trennt den Grenzort Oberndorf vom deutschen Städtchen Laufen. 

An beiden Wettbewerben konnte das Wiener Büro Megatabs Architekten triumphieren. Sowohl das Rathaus als auch die Schule sind inzwischen realisiert: Beide Bauten feierten bereits im Oktober 2018 Eröffnung.

Das Rathaus und Schule sind nur wenige Schritte voneinander entfernt. (Lageplan: Megatabs Architekten ZT GmbH)

Ihre räumliche Nähe und die nahezu zeitgleiche Umsetzung boten eine einmalige Chance, Synergiepotenziale im Hinblick auf die Energieeffizienz zu nutzen. Im Sinne des Konzepts der Smart City sind beide Gebäude im Nahwärmeverbund miteinander gekoppelt, wobei erneuerbare Energieträger genutzt werden.

Die nötige Heiz- und Kühlenergie wird mittels einer im Schulhaus installierten Grundwasserwärmepumpe gewonnen. Das Flachdach des Gebäudes ist zudem sowohl mit einer Photovoltaik- als auch einer Solarthermieanlage bestückt. Der Stromertrag der Photovoltaikanlage wird zur Deckung des Eigenbedarfs verwendet, Überschüsse werden ins Stromnetz eingespeist. Es sei gelungen, ein möglichst autarkes, umweltfreundliches, aber auch kostengünstiges Energiesystem einzurichten, freuen sich die Architekt*innen.

Ein Teil der gewonnenen Energie wird für Heizung und Kühlung der neuen Schule aufgewendet, der Rest wird dem Rathaus zugeführt. Durch die geringe Distanz zwischen den Bauten konnten Leitungs- und Zirkulationsverluste bei der Wärmeübertragung minimiert werden. Und auch während der Sommermonate, wenn die Schüler*innen Ferien haben, verpufft die durch das Schulhaus gewonnene Energie durch den Nahwärmeverbund nicht. 

Das neue Rathaus verfügt unterdessen über eine thermische Bauteilaktivierung, wodurch die Speichermasse des Massivbaus ausgenutzt wird. Das System erzeugt zudem hohes Maß an Behaglichkeit für die Nutzer*innen. 

Die Schule verfügt über einen Innenhof. Von der obersten Terrasse fällt der Blick zwischen den zinnenartigen Einschnitten hindurch auf die Altstadt von Laufen, das auf der deutschen Seite der Salzach liegt. (Foto: Hertha Hurnaus)

Die Belüftung aller relevanten Aufenthaltsräume beider Gebäude ist mit einer Wärmerückgewinnung kombiniert. Der Einsatz intelligenter, auf die Gebäude abgestimmter Regelungstechnik minimiert den Energieverbrauch und steigert den Komfort. 

Die Architekt*innen sind der Auffassung, ihre beiden Bauten würden einen wichtigen Beitrag zur kontinuierlichen Verminderung von Treibhausgas-Emissionen und zum Erreichen der Klimabündnisziele leisten. Hier sei allerdings ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich diese Aussage allein auf Energiegewinnung und -effizienz bezieht. 


Friederike Kluge und Meik Rehrmann, Verena Konrad und Martin Haas plädieren für eine ganzheitliche Betrachtung des Themas Nachhaltigkeit, die nicht bloß auf Einzelaspekte fokussiert.

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