Kraftvolle Einzelobjekte

Ulf Meyer
13. Oktober 2020
Roger Diener, Valerio Olgiati und Miller & Maranta haben drei Geschäftshäuser für Basel entworfen. (Foto: Dionys Frei)

Im Basler Baloise-Park stehen Neubauten von Roger Diener, Valerio Olgiati sowie Miller & Maranta nebeneinander. Für sich können alle Objekte überzeugen. Doch ein Ensemble, das mehr ist als die Summe seiner Teile, ist leider nicht entstanden.

Wer vom Bahnhof Basel in Richtung Altstadt geht, wird von drei neuen Geschäftshäusern empfangen. Das Ensemble besteht aus einem Hotelturm und zwei Bürohäusern, welche die Basler Versicherung bauen ließ. Zwei historische Gebäude mussten abgerissen werden, um Platz für die Anlage zu schaffen: ein Bürogebäude der Versicherung von Hermann Baur aus dem Jahr 1955 und das Hilton Hotel (1975) der Architekten O. Wegmann und F. Rickenbacher. Mit der Gestaltung der Neubauten waren drei große Namen der zeitgenössischen Schweizer Architektur beauftragt. Miller & Maranta haben das 89 Meter hohe, weiße Hotelgebäude mit 24 Geschossen entworfen, dessen Innenarchitektur von Matteo Thun aus Mailand stammt. Es wird im ersten Quartal 2021 seine Tore öffnen. Die obersten sieben Etagen werden dann als Büros vermietet. Die mineralische Fassade hat eine sichtbare Tragstruktur.

Blick auf den Bau von Roger Diener zwischen Valerio Olgiatis Geschäftshaus (links) und dem Hotel von Miller & Maranta (rechts) hindurch. (Foto: Börje Müller)
Foto: Yohan Zerdoun

Direkt daneben und leicht versteckt steht ein Hochhaus mit rotbraun eingefärbter Beton-Fassade von Valerio Olgiati. Das farblich und haptisch ansprechenden Gebäude verfügt über einen zentralen Lichthof und eine 42 Meter hohe Eingangshalle. Der zehnstöckige Bau nimmt neben dem Ausbildungszentrum der Baloise in den ersten drei Geschossen auch Büroflächen für Drittmieter sowie ein Fitnesscenter auf.

Diener & Diener Architekten haben daneben ein 34 Meter hohes Bürohaus mit 700 Arbeitsplätzen für die Basler Versicherung entworfen. Nur die Schaufassade zum Baloise-Park hat gebogene Erkerfenster. Die sieben Meter hohen Fensterscheiben sind zum Platz hin abgerundet und erstrecken sich über jeweils zwei Stockwerke. Teile der Kunstsammlung der Versicherung sind im Erdgeschoss in einem öffentlich zugänglichen „Kunstforum“ zu sehen. Der Neubau ist elegant, und das gebogene Glas gibt dem Haus die Anmutung eines Kaufhauses aus dem späten 19. Jahrhundert. Der neue Hauptsitz der Basler Versicherung bietet Blicke auf die Elisabethenanlage und den BIZ-Turm nebenan. 

Roger Dieners Entwurf besitzt zum Baloise-Park hin gebogene Erkerfenster. (Foto: Yohan Zerdoun)
Foto: Yohan Zerdoun
Starke Objekte, mäßiges Ensemble

Alle Neubauten tragen unverkennbar die Handschrift der jeweiligen Architekten. Sie überzeugen, doch kommunizieren nicht miteinander. Die zugrundeliegende Idee, Architektur zu sammeln wie Broschen und unbestreitbare große Kompetenz einfach nebeneinander zu „propfen“, ist zwar bei kommerziellen Bauherren weit verbreitet, führt aber nur im Einzelfall zu mehr als einem „Architektur-Zoo“. Was der Möbel-Unternehmer Rolf Fehlbaum mit dem Vitra-Campus jenseits der Grenze in Weil am Rhein einst vorgemacht hat, bei dem das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile, lässt sich in einer innenstädtischen Lage nicht ohne weiteres wiederholen. Allerdings: Versicherer gehen bekanntermaßen nicht gern Risiken ein, sondern setzt auf Bewährtes. Insofern ist die architektonische Botschaft des Neubautrios aus erfahrener Hand durchaus passgenau.

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