Voll Holz

Barkow Leibinger
9. September 2020
Foto: Stefan Müller

Die Trumpf Betriebskindertagesstätte in Ditzingen / Barkow Leibinger / Tobias Wenz

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Das Gestaltungskonzept wurde von Anfang an von allen Beteiligten gemeinsam entwickelt - ein Prozess, der anspruchsvoll war, sich aber gelohnt hat. Die Trumpf Betriebskindertagesstätte sollte auf dem Trumpf Campus neue Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit setzen, und zwar nicht nur aus architektonischer, sondern auch sozialer und planerischer Perspektive. Mittels vorgefertigter Holzelemente und die GU-Vergabe an einen Holzfachbetrieb konnten wir die Planungs- und Bauzeit gering halten (19 Monate). Die ökologische Bauweise, die zum hohen Energiestandard des Gebäudes führte, sorgt zudem für niedrige Betriebskosten. Hohe Lebensdauer und geringe Wartungskosten der Massivholzkonstruktionen sind weitere, weiche Faktoren, die für ökonomische Vorteile dieses besonderen Hauses sorgen. Der Bau ist vollständig demontierbar, wodurch sich sämtliche Teile ohne Probleme wieder in die Wertschöpfungskette einbringen lassen.

Foto: Stefan Müller
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Mit seinem flach geneigten Satteldach und der Sparrenkonstruktion knüpft der Bau an die Architektur der Bauernhöfe in der Region an und bildet eine Schnittstelle zwischen dem industriellen Charakter des Trumpf Campus in Ditzingen und dem ländlich geprägten Kontext. Genauso verhält es sich mit Konstruktion und Materialität: sie verbinden alt und neu. 

Foto: Stefan Müller
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Das Haus nimmt sich innerhalb des industriellen Kontextes stark zurück und fügt sich mit seiner niedrigen Höhe nahezu übergangslos in die Topografie ein. Mit seinem flach geneigten Satteldach, das als offenes und sichtbares Sparrendach ausgebildet ist, knüpft der Bau an die Architektur benachbarter Bauernhöfe an. Die überstehende Dachkonstruktion bietet zudem Schutz vor Witterungseinflüssen.

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Die Entstehung der Kita zeichnet sich durch eine enge Kooperation des Bauherrn, des Nutzers und der Stadt aus. Die Trägerin der Kita konnte im Rahmen eines transparenten Planungsprozesses durchgehend einbezogen werden. Als Resultat lässt sich das pädagogische Konzept unter der Einbringung aller architektonischen Belange deutlich im Grundriss ablesen. In der jetzigen Grundrissformation mit den acht Kuben ergibt sich eine große Variabilität für den Nutzer: Je nach Wunsch können die Freiflächen zu den Gruppenräumen hinzuaddiert werden und damit unterschiedlichen Aktivitäten dienen.

Foto: Stefan Müller
Foto: Stefan Müller
Foto: Stefan Müller
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

In erster Linie hat sich der Grundriss im Laufe des Planungsprozesses geändert und wurde an die Bedürfnisse des Nutzers angepasst. 

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Der Kita-Neubau ist voll und ganz unter der Prämisse der Nachhaltigkeit ausgeführt. Dem Bau liegt ein ökologisches Materialkonzept zu Grunde, in dem alle Bauteile nach aktuellen Nachhaltigkeitsanforderungen geprüft und gewählt wurden, wie etwa die Wände, die Böden, die Fassade in Weißtanne oder die Holzfaserdämmplatten als Akustikelemente. Grundlegendes Merkmal ist dabei der Holzbau: alle Wände bestehen aus leimfreien, vorproduzierten Massivholzelementen und sind durch Holzfenster komplettiert. Das Gründach bietet eine ökologische Ausgleichsfläche und verringert die Einleitung von Regenwasser in die Kanalisation. Durch hohe Verdunstung wird das Klima innen wie außen verbessert.

Foto: Stefan Müller
Foto: Stefan Müller
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Bei der Materialauswahl fiel die Wahl auf regionale Produkte (Holz aus dem Schwarzwald) und auch die Handwerksbetriebe kamen größtenteils aus der Gegend, was den ökologischen Fußabdruck der Baustelle verringerte. Die verwendeten Hölzer stammen aus PEFC zertifizierten Wäldern und sind unbehandelt, ohne Imprägnierung oder Lack. Die komplette Holzkonstruktion des Neubaus ist wieder- oder weiterverwendbar, da weder Leim noch Metalle in den Baumaterialien enthalten sind. Die Wände sind mit Buchendübeln und einer Schwalbenschwanz-Verbindung gefügt, sodass eine spätere Demontage und Wiederverwertung problemlos möglich sind. Dadurch kann das Holz gänzlich wieder in die Wertschöpfungskette eingebracht werden.

Foto: Stefan Müller
Foto: Stefan Müller
Lageplan (Zeichnung: Barkow Leibinger)
Grundriss (Zeichnung: Barkow Leibinger)
Schnitte (Zeichnung: Barkow Leibinger)
Trumpf Betriebskindertagesstätte
2019
Berblingerstraße 22
71254 Ditzingen

Auftragsart
Direktauftrag

Bauherrschaft
TRUMPF GmbH + Co. KG, Ditzingen
 
Architektur
Barkow Leibinger, Berlin
Frank Barkow, Regine Leibinger, Tobias Wenz (Assoziierter), Fabian Ziltz (Projektleiter), David Eichner, Arne Löper, Marco Ripa di Meana, Ana Skrebic, Robert Tzscheutschler

Fachplaner
Generalunternehmer: Weizenegger, Bad Wurzach
Hersteller Holzelemente: Holzius, Prad am Stilfserjoch
Tragwerksplanung: Breinlinger Ingenieure, Stuttgart
HLS: Krebs Ingenieure, Ditzingen
Bauphysik: GN Bauphysik Ingenieurgesellschaft, Stuttgart
Landschaftsplanung: Capatti Staubach, Berlin
 
Bauleitung
Weizenegger, Bad Wurzach

Ausführende Firmen
Weizenegger, Bad Wurzach

Energiestandard 
KfW 55 

Bruttogeschossfläche
1.270 m²
 
Gesamtkosten
k.A.
 
Fotos
Stefan Müller, Berlin
Trumpf Betriebskindertagesstätte
2019
Berblingerstraße 22
71254 Ditzingen

Auftragsart
Direktauftrag

Bauherrschaft
TRUMPF GmbH + Co. KG, Ditzingen
 
Architektur
Barkow Leibinger, Berlin
Frank Barkow, Regine Leibinger, Tobias Wenz (Assoziierter), Fabian Ziltz (Projektleiter), David Eichner, Arne Löper, Marco Ripa di Meana, Ana Skrebic, Robert Tzscheutschler

Fachplaner
Generalunternehmer: Weizenegger, Bad Wurzach
Hersteller Holzelemente: Holzius, Prad am Stilfserjoch
Tragwerksplanung: Breinlinger Ingenieure, Stuttgart
HLS: Krebs Ingenieure, Ditzingen
Bauphysik: GN Bauphysik Ingenieurgesellschaft, Stuttgart
Landschaftsplanung: Capatti Staubach, Berlin
 
Bauleitung
Weizenegger, Bad Wurzach

Ausführende Firmen
Weizenegger, Bad Wurzach

Energiestandard 
KfW 55 

Bruttogeschossfläche
1.270 m²
 
Gesamtkosten
k.A.
 
Fotos
Stefan Müller, Berlin

Andere Artikel in dieser Kategorie

Abstrakter Wald
vor 4 Tagen
Kirche weitergebaut
vor einer Woche
Zeitlos modern
vor 3 Wochen
Energie-Werkstatt
vor einem Monat